„DIE MEGALITHKULTUR“

„Ur-Europa“-Arbeitsseminar 12.-15. Febr. 1999 in Waschleithel Erzgebirge

Dieter Braasch: Pharaonen und Sumerer – Megalithiker aus dem Norden“
Grabert-Verlag, Tübingen 1997

Von Dipl. Ing. Paul A. Rohkst

Der Autor ist Mediziner (emeritierter Professor der Uni Marburg). Er wunderte sich über die Darstellung einer Pharaonentochter des Cheops (2 600 vdZ.) in ihrem Grab mit blonden Haaren. Als Mediziner vermutet er, daß helle Haut und blonde Haare als genetische Merkmale nur im Norden, nicht aber im Mittelmeergebiet entstehen konnten.

Braasch schildert den Entwicklungsweg des Menschen von seinen Ursprüngen in Afrika an, wo dieser, nach dem Verlust seines Haarkleides, die Hitze durch Schweißbildung zwar besser verträgt, dem die Sonne aber zur tödlichen Gefahr würde, wenn die Haut nicht Zellen bilden könnte, die den schwarzen Farbstoff – das Melanin – produzieren. Dieser resorbiert den größten Teil der eindringenden UV-Strahlen und verhindert einen Sonnenbrand.

Die genetische „Entfärbung“ auf dem Weg nach Norden erfolgte durch einen „Selektionsdruck“, d.h. offensichtlich überlebten Mütter und Kinder, die zufällig etwas hellere Farbpigmente hatten. Dieses war überlebens-wichtig, denn mit der im Norden geringeren UV-Strahlung konnte sich unter einer dunklen Haut kein Vitamin D mehr bilden, das die Aufnahme von Kalzium im Darm regelt und den Einbau des Kalziums in die Knochen. Die Folge = Rachitis, eine typische nordische Mangelkrankheit z.B. mit deformierten Beckenknochen und dadurch verursachten Fehlgeburten.

Zur Rassenbildung nach dieser Genveränderung Einzelner gehört eine Jahrtausende geographische Isolierung, d.h. hier, daß über Jahrtausende keine Fremden mehr in dieses neue Siedlungsgebiet im Norden eingewandert sein dürfen. Dieses Gebiet lokalisiert Braasch zwischen Nord-und Ostsee. Denn nach der Erwärmung im Norden (nach der Eiszeit), die eine Wanderung dorthin ermöglicht hatte, wuchsen bis zu den Alpen dichte Eichenmischwälder, unterbrochen von vielen ausgedehnten Mooren, Relikte vorhergehender Vergletscherung, so daß ein Zurück rur Herden und Jäger uninteressant erschienen sein muß.

Zusammengefaßt sind es drei Faktoren, die dieses steinzeitliche Gebiet
9 000 -3 000 vdZ. kennzeichnen:

1) das Siedlungsgebiet liegt im „Äußersten Norden“, für damalige Zeiten „am Ende der Welt“ (gleiche Breite wie Kamtschatka!),

2) es ist dort erträglich durch den Golfstrom und den vorherrschenden Westwind,

3) es ist im Osten, Norden und Westen von Meeresküsten begrenzt, im Süden durch Wälder und Moore.

Sowohl Tacitus als auch schon Homer haben dieses Gebiet so beschrieben (z.B. als das Land der „Phäaken“).

Kennzeichnend für die Megalithiker sind ihre Großsteinbauten. Nach den neuesten Datierungsmethoden wurden die ältesten – aber auch die meisten – Bauten dieser Art im vierten Jahrtausend vdZ. in Nordwesteuropa errichtet, in Ägypten ab 3 000 vdZ., im Kaukasus um 2 400 vdZ., in Kreta und Mykene nach 2000 vdZ., in Indien um 1 000 vdZ., in Japan um 300.

Im Flachland Nordwesteuropas sind es die Felsbrocken aus der Eiszeit, die von den Gletschern Skandinaviens nach hier verbracht worden waren, geheimnisvoll für damalige Menschen. Daraus wuchs ein religiöser Bezug (‚,Heilige“ Steine). Zwar findet Braasch im Norden keine unmittelbaren Hinweise, aber in Palästina gibt es (überraschend?) auch zahlreiche Megalithgräber, und dort erwähnt das Alte Testament, daß man einen steinernen Altar nur aus „heiligen“, d.h. unbehauenen Steinen (also „Findlingen“) bauen darf

Der Autor untersucht die von Norden kommende Technik der Holzbearbeitung mit dort selbst entwickelten Werkzeugen, den seetüchtigen Bootsbau, die mitgebrachten religiösen Vorstellungen und beweist, daß alle Ergebnisse auf die Herkunft der Megalithiker aus dem Gebiet zwischen Nord-und Ostsee hindeuten.

Zu den mitgebrachten „Hinterlassenschaften“ der Megalithikern zählt der Autor ja nicht nur die Megalithen, auch Dolmen genannt, sondern ebenso die Griffzungenschwerter (siehe Spanuth). Die Technik der Holzbearbeitung erforderte eine hochentwickelte Werkzeugherstellung (wir befinden uns ja noch in der Steinzeit! erst später in der Bronzezeit), deren Entwicklungsstufen im Norden ebenso nachweisbar ist wie die des Bootsbaues fur seetüchtige Schiffe mit Rudern und Segeln. Im Süden und Osten ist eine vorhergehende Entwicklung dieser Dinge bisher nicht nachweisbar. Sie sind „plötzlich“ (zugleich mit dem Erscheinen der Menschen aus dem Norden) da!

Der Dolmen von Lehmsieck. Schleswig-Holstein

Ähnlich verhält es sich mit religiösen Vorstellungen und Symbolen. Ägypten übernimmt (ebenso plötzlich) die relgiösen Mythen aus dem Norden mit Himmelskuh, Stierkult, Boot, Ozean und Fährmann, Sonne und den Totenkult. Die Pyramiden sind nicht einfach – wenn auch überdimensionale Grabbauten, sondern weisen ebenfalls auf religiöse Vorstellungen hin mit präzisen himmelskundlichen und Vermessungskenntnissen (nach dem Leben wird der Pharao ein Stern am Himmel) ! Ferner finden wir in Ägypten Obelisken und Stelen (vergl. Menhire des Nordens), Seelenlöcher und -gang zum Polarstern (vergl. Ganggräber des Nordens), aber auch die Sonnenspiralen, die Schlange und Rinderhörner, Hörnerhelme (Göttin Hathor), Dolmen und Pyramiden, blauäugige Götter und blonde Töchter…(man bedenke: Braasch untersucht Pharaonen und Sumerer [als] Megalithiker aus dem Norden). Sogar die Wörter „Sonne“, „Stern“ und „Mond“ sind im Ursprung indogemanisch!

Der Autor geht von Rinderzüchtern und einem Garten-(Hack-)bau im Norden aus anstelle von Ackerbaubetreibenden. Diese Rinderhirten waren schon früh (Fischer und) kühne Seefahrer (Himmelskunde und Bootsbau!). Ihre „Wanderung“ erfolgte damals über See (und Flüsse) nach dem Süden. Die Anzahl der „wandernden“ Personen war vermutlich gering. Man bedenke: damals waren schon 30 oder 40 Menschen sehr viele! Noch im Jahr 786 wurde Wessex in England – lt. Überlieferung – von einem ,,Heer“ angegriffen, das aber nur aus ganzen 58 Mann bestand!

Braasch untersucht schließlich auch die Gründe für eine Wanderung der Megalithikern nach dem Süden und Osten und kommt zum Ergebnis, daß es Naturkatastrophen gewesen sein müssen, die die Menschen zwangen, ihre Heimat zu verlassen. Naheliegend findet er die Erklärung von Spanuth, der vom Absturz des Phaethon ausgeht, der damals verheerende Brände, Erdbeben und Überschwemmungen auslöste sowie im Norden einen anschließenden ,,Fimbulwinter“ (über drei Jahre Kälte und Dunkelheit) 1

Schlußfolgerung: Es kann sich also nur um eine (wiederholte) „Wanderung“ von Megalithikern (hellhäutig und blond) aus Nordeuropa entlang der Westküste, durchs Mittelmeer und bis zum Kaukasus sowie nach Indien gehandelt haben.

Ausklang (Zitat Braasch) : „Es wird in der vorliegenden Arbeit angenommen, daß es spätestens ab dem vierten Jahrtausend eine Naturreligion in Nordwesteuropa gegeben hat, begründet von Rentierjägern und Rinderhirten, die auch zur See fuhren, Megalithgräber bauten und die Sonne verehrten. Sie drangen ins Mittelmeer ein und begründeten die alten Hochkulturen. Allen gemeinsam – von Dänemark bis Sumer – war der Glaube, daß die Götter am Anfang Himmel und Erde schufen, daß der Himmel von Göttern, einer Säule oder einem Baum gestützt werden mußte und daß die Seele unsterblich sei. Die Seelen von Dänemark bis Sumer benötigten ein Boot und einen Fährmann, um ins Jenseits zu gelangen.“

„Ich habe versucht nachzuweisen, daß das gemeinsame Symbol ihrer Religion die Sonnenspirale und das Rinderhorn waren. (Abb.1) Ein Glaube, der aus einer uralten ,megalithischen‘ Naturreligion hervorgegangen sein könnte. Der Glaube überdauert 3 000 Jahre. Nach der Katastrophe um 1 000 v.Chr. verändern sich die alten politischen Machtstrukturen im Vorderen Orient. Die Priester verlieren an Einfluß, und neue Götter können erscheinen.“ – „Die religiöse Toleranz, bedingt durch eine Naturreligion, nimmt ab. Glaubenskämpfe breiten sich aus. Im Namen Gottes werden Kreuzzüge gefuhrt und Scheiterhaufen entzündet. Die Statussymbole der alten megalithischen Götter, der Horizont, die Hörner der Rinder und der Tierschwanz des Pharaonen werden im Christentum integriert. Der Horizont als Symbol göttlicher Verbindungen wird als Heiligenschein (?) übernommen. Die Statussymbole der Rinderhirten, Hörner und Tierschwanz, werden dem Teufel oder den Juden zugewiesen.“

„Nachwort: Es war die blonde Tochter des Pharaos, die für einen Mediziner den Anstoß zu den vorgelegten Überlegungen gab. Es war ursprünglich wahrlich nicht beabsichtigt, als Mediziner die Spur der Megalithiker von Dänemark über Nordafrika, Ägypten und Sumer bis zu den Dorern zu verfolgen. Es waren letztendlich die faszinierenden, miteinander verknüpften Rätsel, die von einem Problem zum nächsten führten. Die vorgelegten Schlußfolgerungen ergaben sich fast automatisch beim Lesen in der Bibliothek, und am Ende entstand das Bild einer Naturreligion von Rinderhirten, die Megalithgräber bauten, die zur See fuhren, die Sonne verehrten und um 3 000 v.Chr. die Hochkulturen im Vorderen Orient begründeten. Es waren dieselben Stämme, von denen Spanuth, wie ich meine, mit Recht behauptet, es wären später um 1 200 v.Chr. die bislang rätselhaften Atlanter. „

„Die anfänglich gestellte Frage zur Abb.1: „Welcher kulturelle Zusammenhang besteht zwischen den Hörnern und den Spiralen?“ möchte ich mit dem Hinweis auf eine gemeinsame Ur-Religion beantworten.“

Verweis: www.braasch-megalith.de

Megalithiker aus dem Norden
Prof. Dr. Dieter Braatsch

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