Ankündigung der diesjährigen Frühgeschichtstagung von Ur-Europa e.V.
vom 4. bis 7. Oktober im Raum Detmold.

Themen:
– Der Leistruper Wald im Eggegebirge
– Erkenntnisse der Megalithkulturforschung
– Herkunft der Ortsnamen
– Messungen an den Externsteinen (Eggestein)
– Messbare Strahlungen an Megaltithstätten
– Sonnenheiuligtümer in der Oberlausitz
u.a. (Änderungen vorbehalten)

Anmeldung über:   hfa.ostlerkonrad@t-online.de

 

Betrachtungen über die Megalithkultur

In der Frühgeschichtsforschung ist die Frage nach einer gemeinsamen Wurzel der Megalithkultur umstritten. Allein in Europa errichteten Menschen vor 7000 bis 4000 Jahren, über einen Zeitraum mehrere Jahrhunderte eindrucksvolle Steinkreise und Monumente zur Jahreszeitbestimmung. Diese Monumente waren zugleich Kult- und Bestattungsplätze. Heute sind rund 35.000 über ganz Europa verstreute typische Megalith-Bauwerke, Steinkreise, Hünen- und Dolmengräber, Menhire und Dolmen oder bearbeitete Felsmonumente entdeckt worden. Doch von einer „Megalithkultur“ wollen viele Archäologen nicht sprechen, da von einer „zusammenhängenden Kultur mit gemeinsamer Idee oder ideologischer Wurzel man angesichts der weit verstreuten, unterschiedlich alten und enorm vielfältigen Steinartefakte kaum gesprochen werden kann.“

Immerhin gibt es Megalithskulpturen auch in Nord- und Südamerika und in Asien. Kann von eine Kultur nur bei räumlicher beschränkter Ausdehnung gesprochen werden? Entweder wurden gleichartige Techniken und Baustile unabhängig voneinander erfunden oder es gibt ein gemeinsames Zentrum. Prof. Bettina Schulz Paulsson von der Universität Göteborg publiziert im Fachmagazin »PNAS« eine neue These: Neue Analysen hätten auffällige Hinweise auf eine allmähliche Ausbreitung der Megalith-Idee aus einem Ursprungszentrum heraus gegeben, das wohl vor 4500 v. Zt. im Nordwesten Europas (Bretagne) ihren Anfang genommen hätte. Demnach soll sich von dort aus die Megalithkultur auf dem Seeweg nach England, Skandinavien und womöglich auch nach Amerika und Asien verbreitet haben. Die Hochseetauglichkeit früher Kulturen ist ja schon durch den Fund von Fischgräten in den Überresten des Aurignac-Menschen (vor 40.000 Jahre) belegt. Hat Frau Prof. Paulsson auch die Holzanlagen in Mitteldeutschland untersucht?

Fast brisanter als Paulssons These ist die weitgehend erhärtete Tatsache, dass Jahreskreisanlagen und Kalendersteine eine hohe astronomische Kenntnis nach jahrhunderterlanger Himmelsbeobachtung ausweisen.
Etwa 60 bearbeitete Sonnenpeilsteine allein in der Oberlausitz, Sudetenland und Schlesien zeigen eindeutige Visurlinien durch Sichtfenster oder Steinkanten, die zur Bestimmung von Sonnenaufgang und -untergang zur Sonnenwende im Winter und Sommer und zur Tag- und Nachtgleiche dienen. Hinzu treten Besiedelungsspuren, etwa am Löbauer Berg oder bei Königshain.  Auffällig ist die Übereinstimmung der Visuren mit der Himmelsscheibe von Nebra. Auch die 7000 Jahre alte und 2004 rekonstruierte Jahrkreisanlage aus Holz in Goseck und die etwa 4000 Jahre alte Anlage bei Pömmelte-Zackmünde haben die gleichen antronomischen Bezüge.

Und noch eine faszinierende Tatsache: Die Dolmen der Kelten (=Germanen) sind auch in Korea, Japan oder in Südindien und im Kaukasus zu finden. Der Archäologe Dr. Stefan Mäder (Freiburg) hat mehrere Jahre in Japan geforscht. Dort ließ sich eine Übereinstimmung in der Eisenbearbeitung anhand von Vergleichen einer alamannischer Sax (Schwert) mit japanischen Schwertern in Saitama herstellen. Schon 1961 faßte der Metallurgieforscher E.H. Schulz prägnant zusammen: “Der Grundcharakter eines Eisenerzeugnisses aus der Zeit vor der Gewinnung des schmiedbaren Eisens auf flüssigem Wege ist der gleiche, ob es lange vor Christi Geburt oder aber erst im 19. Jahrhundert hergestellt wurde.”